Am Anfang war die Zelle. Die Eizelle. Der Ursprung allen weiteren Lebens. Die Zelle teilte sich und reproduzierte sich. Wieder und wieder. Der nächste Akt der Evolution? Eizelle und etwas anderes verschmolzen miteinander. Das Männchen war geboren. Denn die Frau, die Eizelle kann alles, nur eins nicht: Sich reproduzieren und etwas Neues kreieren ohne eine neue Zutat.

Würden sich Eizellen respektive Weibchen immer wieder selbst produzieren, dann gäbe es keine Evolution. Die Verschmelzung zweier Dinge ist die Voraussetzung für das Entstehen von etwas Neuem. Und so haben wir zwei biologische Geschlechter. Sie unterscheiden sich über ihre Chromosomensätze, die auch das Gehirn, die Organismin, die Nervenbahnen, die Synapsenverbindungen und die Wahrnehmung der Welt formen. Sie sind unterschiedlich, denn sie haben verschiedene Aufgaben.

Die Frau bzw. das weibliche Säugetier als die Lebenskreiierende und einem doppelten X-Chromosomensatz ist die Verbindung zwischen Mutter Natur, aus der sie entstand und der nächsten Generationen. Ein biologisches Naturgesetz, das bis heute alle Säugetiere anerkennen, bis auf den Menschen.

Die Frau als die Lebenskreierende und für das Nachkommen als einzig bekannte Person ist heute in Vergessenheit geraten und auch die Bedeutung dessen. Denn wir alle sind Teil unserer Mutter, über 99% ihres Materials, nämlich das Ei, das sie jeden Monat in sich aufbaut, stammen von ihr und auch die Umgebung, in welche wir eingebettet sind – in ihrer Organismin mit Nervensträngen, ihrer Hormonen, ihren Gefühlen, ihren Routinen, ist das, was uns formt. Sie kreiert uns, mit allem, was sie ist. Diese Kreation wird ausgelöst durch ein Spermium, welches die Eizelle in sich reinlässt. Denn in der Tat ist es so: Die Organismin der Frau wählt und wir haben wenig Einfluss darauf, ob und wann und durch welches Spermium sie kreiieren will.

Auch wenn wir mit allerhand Chemie versuchen die Lebenskreation zu kontrollieren. Ein patriarchales Produkt, um die Kontrolle über Mutter Natur zu übernehmen und sie zu dominieren. Die Gebärende, die Sieschafferin allen Lebens.

Verlassen wir unsere Mutterhöhle so kennen wir niemanden ausser unserer Mutter. Wir erkennen Ähnlichkeiten durch Gerüche und Stimme anderer zu unserer Mutter: Ihre nächsten Verwandten, ihre Mutter, ihre Schwester, ihren Bruder. Unsere matrilineare Verwandtschaft. Patrilinearität ist uns sozial-biologisch fremd. Wir kennen unseren biologischen Vater ebenso wenig, wie ein Hund und eine Katze es tun. Und auch er, hat nicht von Natur aus eine Beziehung zu uns als emotionaler Fürsorger und Bindeglied. Deswegen übernehmen bei anderen Säugetieren die männlichen Verwandten der Mutter die Rolle der männlichen Bezugsperson. Auch um Sexualität und Familie voneinander zu trennen. So war es auch vor 10.000 Jahren bei unserer Spezies und das aus gutem Grund.

Über die Mutter lernen wir, wer wir sind und durch sie lernen wir auch was „richtig“ und „falsch“ ist. Wir beobachten sie unentwegt, wir lieben sie abgöttisch, denn für uns ist sie Gott. Sie ist unser Zuhause. Ihre Kategorien und Zuordnungen schaffen uns ein Bewusstsein, eine ICH-Identität. Werden wir Junge genannt, dann schauen wir genau hin, was Mama „männlich“ findet und kopieren es. Werden wir Mädchen genannt, dann schauen wir genau hin, was Mama „weiblich“ findet und kopieren es. Da die Frau im Patriarchat sich selbst als Schuldige betrachtet, als minderwertig und dem XY untergeordnet, übernehmen wir dieses Bild. Sehen sie so mit der Zeit und auch uns, durch die Projektion, die wir von ihr siehalten. Ebenso geht es den Jungen, die versuchen ihrem Bild der Männlichkeit zu entsprechen und nicht selten der Mann sein sollen, der die Mutter rettet und dem sie dienen kann, um ihrer unbewussten patriarchalen Prägung gerecht zu werden. Nicht selten entblösst sich jedoch auch ihre Wut auf ihn, die sie nach „oben“ nicht ausleben kann, denn sie steckt im Stockholm Syndrom zum biologischen Vater im Patriarchat. Sein Verlust ist ein Verlust ihrer Selbst, denn die weibliche ICH-Identität wird über die Patriarchose an die Verpflegung eines erwachsenen Mannes geknüpft.

Es geht alles von der Frau aus. Alles.
Das patriarchale Bewusstsein ist eine Illusion.
Es hatte eine lange Geschichte und sicherte den Fortbestand.
Denn ohne jenes, wären Frauen noch viel früher vernichtet worden.

Das patriarchale Stockholm Syndrom war notwendig, um zu überleben.

Die Zeit ist gekommen, es zu entblössen.